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 Malagabesuch 19. – 21. Februar 2010

 

Mit den Gedanken im Kopf, dass wir wieder viele arme Hundeseelen sehen werden, denen wir sehr wahrscheinlich nicht helfen können und dem Wissen, dass durch die extrem starken Regenfälle der vergangenen Tage die Situation vor Ort nur noch schlimmer sein wird, ging es früh am Freitag wieder los in Richtung Malaga.

 

Nach einer Woche sintflutartigem Dauerregen waren wir überrascht als wir aus dem Flugzeug stiegen! Die Sonne war da, der Himmel blau! Nach vielen kalten und schneereichen Wochen in Deutschland tat das schonmal der Seele gut! Die erste Ernüchterung kam aber bereits bei der Gepäckausgabe. Ein Koffer war aufgeplatzt und provisorisch mit Klebeband vom Personal zusammen gehalten und eine große Flugbox demoliert und somit unbrauchbar für den Rückflug!! Hätten wir nicht gerade einen LKW Transport mit Boxen und Spenden nach Spanien geschickt, dann wären wohl weitere Problem – nämlich wo bekomme ich jetzt so schnell eine Ersatzbox her?! – dazu gekommen. So war unsere erste Station das Reklamations Desk. Alles wurde aufgenommen, ein kurzes Telefonat mit Airberlin (die übrigens nur ein kaltes Schulterzucken dafür übrig hatten) und dann auch gleich schnell weiter, den Mietwagen abholen.

 

Im Hotel angekommen, haben wir erstmal unsere Sachen ausgepackt und dann ging es zu Burger King, um etwas zu Essen und die ersten Dinge mal persönlich, nicht immer nur per Mail oder Telefon, zu besprechen. An diesem Tag hatten wir nur ein Tierheim zum Besuch auf dem Plan: Das PAD. Ein paar Tage zuvor war es hier zu schlimmen Überflutungen gekommen und einige Hunde und vor allem die Katzen mussten anderweitig untergebracht werden. Eigentlich wollte das PAD Hunde von Ara bei sich aufnehmen, doch das ist nun leider momentan erstmal nicht möglich. Erst einmal müssen die Wasserschäden beseitigt werden und dann können hoffentlich dort ein paar Hunde untergebracht werden.

 

Im PAD sitzen viele wunderbare Hunde und auch alte Bekannte von unserem letzten Besuch waren noch da: Chip, der nicht nur schwarz ist, sondern auch nach einer Verletzung am Auge einen etwas ’plastischen’ Gesichtsausdruck hat, Lindi, die sanfte Rauhaar Podimixdame, Jack, der wunderschöne gestromte Mix und Krug, der sich einfach schlecht fotografieren lässt und in Wirklichkeit ein klasse Hund ist. Alles wunderbare Tiere, aber bisher hat sich niemand für sie interessiert... Doch vielleicht hat Krug jetzt endlich Glück! Nach über einem Jahr im PAD haben sich letzte Woche Interessenten für ihn gemeldet!! Bitte alle unbedingt die Daumen drücken :-)

 

Den restlichen Abend ließen wir dann ganz in Ruhe ausklingen. Schließlich mussten wir am Samstag früh raus, denn ein anstrengender Tag stand bevor.

 

Um 8 Uhr ging es dann auch los in Richtung Lucena zu Ara. Wieder war es ein schöner Tag mit Sonnenschein. Die Begrüßung war sehr herzlich. Schnell noch ein paar Sachspenden und ein paar Süßigkeiten für Ara und ihre Helferinnen übergeben und dann ging es rein in die Auffangstation. Bei unserem nun schon 4. Besuch dort erwartete uns diesmal eine sehr ungewöhnliche Atmosphäre! Die Masse an Hunden, die sonst immer auf uns zustürmte war diesmal sehr überschaubar! Woran das liegt? Wir würden Ihnen gerne mitteilen, dass viele Hunde in den letzten Monaten vermittelt wurden, doch leider ist das nicht so. Ara hatte sich, zu einer Zeit als sie noch Hoffnung in den Tierarzt gesetzt hatte und sich Unterstützung von ihm erwartete, dazu verpflichtet einen Teil ihrer Hunde in die Ophut des Tierarztes zu geben! Da in den letzten Wochen wieder einige neue Zwinger in dem noch immer im Aufbau befindlichen Tierheim fertig gestellt wurden, musste Ara nun insgesamt 100 Hunde dort unterbringen (siehe auch unter ’Aktuelles 12.02.2010).

 

Sie hat bewusst die schwerer vermittelbaren, die kränklichen, dünnen, älteren und Hunde mit Handicap bei sich behalten, denn diese sind in der Vergangenheit als erste Opfer des Tierarztes geworden...

 

Die Hunde bei Ara schienen größtenteils zufrieden mit ihrer Situation. Natürlich war unser Besuch wieder eine willkommene Abwechslung und auch wir haben uns gefreut endlich wieder da zu sein und eine Menge Streicheleinheiten und Leckerlis zu verteilen. Auch hier haben wir ein paar alte Bekannte wie Aragon, der wunderbare Bretone, Furia, die nach einem Zusammentreffen mit einer Katze ein Auge einbüßen musste, Rufo, der junge so schöne Rüde, Uriel, die uns ein wenig an Samira erinnert oder auch Lirón, der schon seine Welpenzeit dort verbracht hat...

 

Nachdem wir jede Menge Bilder geschossen haben, ging es dann weiter in das nur wenige Kilometer entfernte Tierheim des Tierarztes!


Was sollen wir sagen?! Es war wieder einmal sehr schlimm. So viele wundervolle Hunde. Einige von ihnen ohne Hoffnung, als wüssten sie, dass sie hier vielleicht nicht wieder lebend heraus kommen und andere wiederum, die sich über ein wenig Aufmerksamkeit unglaublich freuten und ihr Glück kaum fassen konnten. Wir alle waren angespannt. Ara hatte uns eindringlich gebeten, die Hunde nicht zu füttern oder zu fotografieren bis wir sicher sind, dass der Tierarzt nicht noch kommt. Kaum gab sie grünes Licht, legten wir los und fütterten alle ein wenig mit Trockenfutter und Leckerlis. Nicht einmal mit Futter werden die Hunde ausreichend versorgt. Die Hunde müssen von Ara oftmals erst hochgepäppelt werden, damit sie überhaupt die Impfungen und Kastrationen überstehen. Was für ein Irrsinn!!

 

Nach unserem letzten Besuch im November im Tierheim haben wir etwas gelernt: Hunde, die in großer Gefahr sind getötet zu werden, haben wir diesmal sofort reserviert! Es sind mehr geworden als wir wollten, doch es hat uns einfach überkommen! Jeder hatte im Kopf was das letzte Mal passierte: Wir waren kaum eine Woche wieder in Deutschland und schon waren bis zu 10 Hunde der Spritze des Tierarztes zum Opfer gefallen. Das steckte fest in unseren Köpfen und so haben wir schließlich 31 Hunde reserviert, darunter 6 Welpen und alleine 9 Galgos! Wir hätten natürlich am liebsten allen Hunden geholfen, aber es war einfach unmöglich. Die Belastung zu entscheiden, wer reserviert wird und wer nicht, haben wir auch heute noch nicht verarbeitet. Die Bilder der Hunde lassen uns einfach nicht los!!

 

 

  

 

 

Doch wir mussten uns beeilen. Der Tierarzt hatte Ara gegenüber deutlich gemacht, dass unsere Patenhunde doch auch sehr bald abgeholt werden sollten... Mit zwei Autos, 6 Zwei- und 16 Vierbeinern verließen wir nach zwei Stunden wieder diesen schrecklichen Ort. Eine Stunde später erreichten wir die Pension bei Sevilla, in der wir Dank der vielen Paten die Hunde vorübergehend unterbringen konnten. Sabela, Melitina, Vanna, Rasia, Ives, Bethany, Hugo, Ines, Mauro, Kalvin, Kuma, Caneli, Luna, Martina, Otis und Momo feierten ein Wiedersehen mit Carola, Marcial, Sylvie, Yuma, Otsoe, Mateo, Popeye, Leire, Iselda und Catalina, die bereits vor kurzem in der Pension ankamen. Der erste Eindruck der Pension war durchaus positiv. Eine Finca mit Pool und sogar einem Tennisplatz, umgeben von den Hundezwingern. Bei genauem Hinschauen zeigte sich jedoch eines ganz klar: An diesem Ort sind die Hunde zwar sicher und bekommen Futter, aber mehr auch nicht! Weder ausreichend Auslauf noch Zuneigung und Fürsprache wird es hier geben. Es ist definitiv eine vorübergehende Lösung!

 

Ara selbst hat es treffend formuliert: "Mir gefällt die Pension auch nicht! Es ist alles feucht, die Zwinger sind zu klein, aber was soll ich machen. Wichtig ist - sie leben"...

 

Wie angespannt und verzweifelt Ara war, merkten wir erst bewusst als auch der letzte Hund sicher in der Pension untergebracht war. Die Belastung fiel von Ara ab und sie fing hemmungslos an zu weinen. Das hat uns einmal mehr gezeigt, dass ihr Herz an jedem einzelnen Hund hängt und wir sie nicht alleine lassen dürfen!


Die Heimfahrt nach Malaga stand bevor und auch wir waren ein wenig glücklich und stolz, dass zumindest einige Tiere in Sicherheit sind. Das i-Tüpfelchen erlebten wir auf der Rückfahrt. Mitten auf der Autobahn lief ein kleiner schwarzer Hund an der Leitplanke entlang. Wir zögerten nicht lange, hielten am Seitenstreifen an, schnell ein paar Leckerlis in die Tasche gesteckt und raus aus dem Auto, um den kleinen Kerl einzufangen. Glücklicherweise war es noch hell und die Autobahn nicht zu stark befahren. Kaum aus dem Auto raus, sahen wir den Hund auf der anderen Seite, ca. 100 m entfernt. Tja und auch das kleine Häufchen Elend hat uns entdeckt. Wir trauten unseren Augen nicht: Der Hund kam in ungeheurem Tempo quer über die Autobahn auf uns zugerannt. Einen Moment lang blieb uns da Herz stehen, doch alles ging gut und die kleine Dame (wie sich heraus stellte) schmiss sich uns regelrecht vor die Füße. So, als wollte sie sagen, ’...da seid ihr ja endlich, ich habe euch schon gesucht!’ Wir zögerten nicht lange, schnappten die Kleine und zurück ging es ins Auto. Dort gab es erstmal ein paar Snacks, viele Streicheleinheiten und einen Namen: Gitana (Zigeunerin)!! Die Süße genoss es sichtlich umsorgt zu werden. Dank Dietmar, der uns die ganze Zeit begleitet und viele tolle Fotos von den Hunden gemacht hat, konnte Gitana mittlerweile ins Tierheim F.A.M.A. umziehen und wartet dort auf ihre Ausreise nach Deutschland.

 

 

Gitana


Erschöpft, leer, traurig, aber auch etwas zufrieden, fielen wir abends erschöpft ins Bett. Am Sonntag hatten wir noch etwas Freizeit bevor es zurück nach Deutschland ging. 11 Hunde konnten an diesem Tag nach Deutschland fliegen. Viele in ihr neues Zuhause, wie Donald, Mora, Amy, Belle, Chata, Palmira, Anouk und Finito. Einige warten noch in Pflegestellen auf ein Zuhause: Seldon, Ocilia und Gail.   

 

Fazit der Reise: Viele wunderbare Hunde brauchen unsere Hilfe. Ebenso die unermüdliche Ara und ihre wenigen Helferinnen. Für jedes einzelne Tier lohnt sich unser Einsatz und wir werden nicht aufhören zu helfen, weil uns viele wunderbare Menschen in unserer Arbeit unterstützen. Gemeinsam schaffen wir immer wieder kleine Schritte, die eine große Wirkung haben!

 

Abschließend nun noch die Bilder unserer Reise:

 

Ara Auffangstation:

http://picasaweb.google.com/Polly.Lexa/ARA_AuffangstationFebruar2010?feat=directlink

 

Pension:

http://picasaweb.google.com/Polly.Lexa/PensionNaheSevillaFebruar2010?feat=directlink

 

Tierarzt Tierheim:

http://picasaweb.google.com/Polly.Lexa/TierarztPerreraFebruar201003?feat=directlink

 

PAD:

http://picasaweb.google.com/Polly.Lexa/PADFebruar2010?feat=directlink

TopHundeleben retten e.V.